Meissen Marken: Schwerter datieren und echtes Meissener Porzellan erkennen
Echtes Meissener Porzellan trägt die gekreuzten Schwerter, von Hand in Kobaltblau unter die Glasur gemalt. Die Marke wurde 1722 vorgeschlagen und war ab 1731 allgemein eingeführt. Punkte, Sterne und die Form der Klingen verraten den ungefähren Zeitraum; Schleifstriche zeigen zweite oder geringere Wahl. Weil kaum eine Marke so oft kopiert wurde, gehört zur Bestimmung immer der Blick auf Scherben, Form und Malerei.
- Manufaktur
- Meissen, gegründet 1710 unter August dem Starken
- Schwertermarke
- Kurschwerter aus dem sächsischen Wappen, von Hand in Kobaltblau unter Glasur
- Eingeführt
- 1722 vorgeschlagen, ab 1731 allgemein durchgesetzt
- Markenschutz
- Eintragung am 20. Mai 1875
- Vorläufer
- Merkurstab-, Drachen- und pseudochinesische Marken, Buchstabenmarken wie K.P.M., AR-Monogramm
- Zweite Wahl
- Schleifstriche durch die Schwerter
Woher die Schwerter kommen
August der Starke gründete die Manufaktur 1710; fast ein Jahrzehnt lang war Meissen der einzige Porzellanhersteller Europas. Als Konkurrenz entstand, brauchte man ein Erkennungszeichen. Der erste Inspektor, Johann Melchior Steinbrück, schlug 1722 vor, die Kurschwerter aus dem Wappen des Kurfürstentums Sachsen zu verwenden. Vorher waren laut Meissen-Datenbank Merkurstab- und Drachenmarken, pseudochinesische Zeichen und Buchstabenmarken üblich: K.P.M. (Königliche Porzellan-Manufaktur), M.P.M. (Meissener Porzellan-Manufaktur) und K.P.F. (Königliche Porzellan-Fabrik). Das Deutsche Patent- und Markenamt schreibt, dass sich die Schwerter ab 1731 allgemein durchsetzten und die Manufaktur ihre Marken am 20. Mai 1875 eintragen ließ.
Die Schwerter werden bis heute von Hand mit Meissens eigener Kobaltfarbe gemalt, die den Glattbrand übersteht. Die Marke liegt also unter der Glasur. Weil jede Marke gemalt ist, sieht keine genau wie die andere aus. In der Frühzeit waren die Böden oft unglasiert, Marken sind dort manchmal blass oder fehlen.
Meissen Schwerter: welcher Zeitraum?
Die Tabelle folgt den Angaben der Meissen-Datenbank, die Marcolini-Daten stammen vom Victoria and Albert Museum. Maler hielten sich nicht immer an die Regeln, deshalb gilt jeder Zeitraum nur zusammen mit Form und Dekor.
| Merkmal der Marke | Ungefährer Zeitraum |
|---|---|
| Buchstabenmarken, AR-Monogramm, frühe Schwerter | 1720er Jahre, AR auch in den 1730er Jahren |
| Schwerter sehr klein am Bodenrand | etwa 1745–1750 |
| Punkt zwischen den Griffen (häufig, nicht immer) | 1763–1773 |
| Stern zwischen den Griffen | Marcolini-Zeit, 1774–1814 |
| Römische I oder II an den Schwertern | 1817–1824 |
| Leicht gebogene Klingen mit Knauf (Knaufschwerter) | ab etwa 1850 |
| Punkt zwischen den Klingenspitzen (Pfeiffer-Zeit) | 1924–1934 |
| Schwerter unten durch einen Bogen verbunden | 1945–1947 |
| Einheitliche, leicht nach innen gebogene Schwerter | ab 1947 |
Seit 1948 wird laut DPMA zusätzlich ein Jahreszeichen in den Boden gestempelt; die Meissen-Datenbank ergänzt, dass es zunächst geometrisch war und ab 1980 aus Buchstaben bestand. Hilfreich sind auch die eingeritzten Modellnummern: ab 1764 Buchstaben mit Zahlen von A 1 bis Z 99, ab 1851 ein zweites Alphabet von A 100 bis Z 300. Ein Suppenteller im V&A aus der Zeit um 1800–1810 zeigt die Marcolini-Marke: Schwerter mit Stern in Blau, dazu die eingeprägten Zeichen 31, 4 und B.
Das AR-Monogramm
Das ineinander verschlungene AR steht für Augustus Rex. Das V&A erläutert an einer Deckelvase von etwa 1734, dass die Marke auf Porzellan für eine königliche Residenz oder für persönliche und diplomatische Geschenke hinweist; da August II. 1733 starb, könnte sie sich auch auf seinen Sohn August III. beziehen. Eine so exklusive Hofmarke war für spätere Dekorateure und Kopisten besonders reizvoll. Ein AR auf einer gewöhnlichen Tasse oder unter einem Dekor im Stil des 19. Jahrhunderts ist deshalb zunächst als Nachahmung zu behandeln, bis ein Fachmann etwas anderes feststellt.
Schleifstriche: zweite und geringere Wahl
Stücke, die nicht als erste Wahl verkauft wurden, erhielten nach dem Glasieren eingeschliffene Striche durch die Schwerter. Die Meissen-Datenbank weist darauf hin, dass die Handhabung in der Literatur unterschiedlich beschrieben wird, und nennt als Regel:
| Schleifstriche | Bedeutung |
|---|---|
| Ein Strich | Unbemalte Weißware oder zweite Wahl |
| Zwei Striche | Zweite Wahl |
| Drei oder vier Striche | Dritte und vierte Wahl, nur an Mitarbeiter |
| Fünf Striche oder zwei gekreuzte | Für den Gebrauch in der Manufaktur |
Ein Stück mit Schleifstrich ist echtes Meissen, wird aber anders bewertet als erste Wahl. Ist ein als Weißware gekennzeichnetes Stück farbig bemalt, kann die Malerei außerhalb der Manufaktur entstanden sein.
Meissen Porzellan erkennen: Nachahmungen und Kopien
Kopiert wurde Meissen fast von Anfang an. Das V&A berichtet, dass der Pariser Händler Rodolphe Lemaire zwischen 1729 und 1731 in Meissen Kopien japanischen Kakiemon-Porzellans fertigen ließ; manche blieben ohne Marke, andere bekamen die Schwerter auf der Glasur, die sich mit Säure entfernen ließen, damit die Stücke als japanisch verkauft werden konnten.
Im 19. Jahrhundert kopierte die Pariser Firma Edmé Samson, gegründet zur Reproduktion von Museumskeramik, unter anderem Meissen. Das British Museum vermerkt, dass Samson eine Marke „Ss“ verwendete und in Hartporzellan arbeitete, viele Stücke aber später mit Originalen verwechselt wurden, vor allem wenn die Marke entfernt war. Auch Fabriken und Malereien im Dresdner Raum fertigten Blumen, Figuren und Rokoko-Stücke im Meissener Stil unter eigenen Marken; ein Teller aus Potschappel im V&A trägt zum Beispiel eine Herstellermarke unter einer Krone in Blau. Solche Stücke sind eigenständige Erzeugnisse, werden aber gelegentlich als Meissen angeboten.
- Glasur: Echte Schwerter liegen unter der Glasur. Eine ertastbare Aufglasurmarke ist verdächtig.
- Zeitliche Stimmigkeit: Eine Punktmarke unter einer Figur in späterem Stil oder ein Stern unter einem Dekor des 20. Jahrhunderts passt nicht.
- Weitere Zeichen: Modellnummern, Bossierer- und Malernummern sollten zur Praxis der Epoche passen.
- Qualität: Weiße des Scherbens, Schärfe der Modellierung, Feinheit von Malerei und Vergoldung.
Was den Wert bestimmt
Epoche, Modell, Dekor, Größe, Erhaltung und Sortierung zählen. Frühe Stücke, seltene Modelle und feine Malerei sind besonders gefragt; bestoßene Finger und Spitzen, restaurierte Blüten, beriebenes Gold und Schleifstriche verändern das Bild. Die Marke allein entscheidet nicht.
Nächste Schritte
Fotografieren Sie den Boden mit allen eingeritzten und eingeprägten Zeichen und scannen Sie das Stück mit Antique ID: Sie erhalten einen Bestimmungsvorschlag und einen geschätzten Wert. Eine Schätzung ist kein Gutachten; bei bedeutenden Stücken hilft ein Sachverständiger für europäisches Porzellan. Allgemeine Hinweise finden Sie unter Porzellanmarken bestimmen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich echtes Meissen Porzellan?
Die Schwerter sind von Hand in Kobaltblau unter der Glasur gemalt, wirken daher leicht weich und liegen unter der glänzenden Oberfläche. Prüfen Sie zusätzlich, ob die Schwerterform zur Stilepoche passt und ob Scherben, Modellierung und Malerei die erwartete Qualität haben.
Was bedeutet ein Punkt zwischen den Meissener Schwertern?
Ein Punkt zwischen den Griffen wurde häufig, aber nicht regelmäßig zwischen 1763 und 1773 gesetzt. Ein Punkt zwischen den Klingenspitzen gehört dagegen in die Jahre 1924 bis 1934.
Aus welchem Zeitraum stammen Meissen Schwerter mit Stern?
Der Stern zwischen den Griffen steht für die Zeit unter Graf Camillo Marcolini, der die Manufaktur von 1774 bis 1814 leitete.
Was bedeuten Schleifstriche bei Meissen?
Sie werden nach dem Glasieren durch die Marke geschliffen und kennzeichnen Weißware oder zweite und geringere Wahl. In der Regel steht ein Strich für unbemalte Weißware oder zweite Wahl, zwei Striche für zweite Wahl, drei oder vier für dritte und vierte Wahl.
Ist ein AR-Monogramm immer Meissen?
Nein. Das echte AR steht für Augustus Rex und kennzeichnete Porzellan für den Hof oder als königliches Geschenk. Gerade deshalb wurde es nachgeahmt; ein AR auf einem gewöhnlichen Stück sollte ein Fachmann prüfen.
Ihr Fundstück in Sekunden bestimmen
Antique ID erkennt ein Objekt auf einem Foto, liest sichtbare Marken, schlägt eine Epoche vor und nennt eine geschätzte Wertspanne, damit Sie wissen, ob sich ein genauerer Blick lohnt.
Quellen
- Meissen: The Crossed Swords (Geschichte der Schwertermarke, englisch) (abgerufen 2026-10-13)
- Deutsches Patent- und Markenamt (DPMA): Crossed swords, Ostmarken (abgerufen 2026-10-13)
- Meissen-Datenbank (meidabank): Markierungen und Nummerierung von Meissener Porzellan (abgerufen 2026-10-13)
- Victoria and Albert Museum: Meissener Deckelvase mit AR-Monogramm, um 1734 (abgerufen 2026-10-13)
- Victoria and Albert Museum: Meissener Suppenteller, Schwerter mit Stern, Marcolini-Zeit (abgerufen 2026-10-13)
- British Museum: Edmé Samson et Cie (Biografie) (abgerufen 2026-10-13)
- Victoria and Albert Museum: Teller aus Potschappel mit Marke unter einer Krone (abgerufen 2026-10-13)
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