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Silberstempel erkennen: 800, 835, 925, Halbmond und Krone

Eine Zahl wie 800, 835 oder 925 gibt den Silberanteil in Tausendteilen an. Auf deutschem Silbergerät ab 1888 steht dazu meist das Reichszeichen aus Halbmond und Krone sowie die Marke des Herstellers. Zahlen wie 90 oder 100 auf Besteck bedeuten dagegen: versilbert.

Vom Antique ID Team · Aktualisiert

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800
80 % Silber; Mindestangabe für Silbergerät in Deutschland
835
83,5 % Silber
925
92,5 % Silber (Sterling)
Halbmond und Krone
Reichszeichen für Silbergerät, Gesetz in Kraft seit 1. Januar 1888
Vor 1888
Meist nur Stadtmarke und Meisterzeichen
90, 100, 150
Silberauflage auf versilbertem Besteck, kein Feingehalt

Die Zahl: Feingehalt in Tausendteilen

Silber ist zum Gebrauch zu weich und wird deshalb mit Kupfer legiert. Der Feingehalt sagt, wie viele von tausend Teilen reines Silber sind. 800 bedeutet also 80 Prozent Silber und 20 Prozent andere Metalle, 925 entspricht dem Sterlingsilber. Die Zahl steht in Deutschland seit dem Feingehaltsgesetz in der Regel in Tausendteilen; vor 1888 waren andere Maße wie das Lot gebräuchlich.

StempelSilberanteilTypisch für
80080 %Deutsches und italienisches Tafelsilber und Besteck
83083 %Skandinavisches Silber
83583,5 %Deutschland, Niederlande, Belgien
90090 %Verschiedene Länder
92592,5 %Sterlingsilber, international
13 Lot / 12 Lot812,5 / 750 TausendteileÄltere deutsche Arbeiten (16 Lot = rein)

Halbmond und Krone: das Reichszeichen ab 1888

Das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884, das am 1. Januar 1888 in Kraft trat und bis heute gilt, regelt, wann ein Feingehalt angegeben werden darf. Auf silbernen Geräten, also Tafelsilber, Besteck oder Leuchtern, darf der Feingehalt nur in 800 oder mehr Tausendteilen angegeben werden. Die Form des Stempelzeichens legte der Bundesrat in einer Bekanntmachung vom 7. Januar 1886 fest: Es muss die Reichskrone, das Mondsichelzeichen für Silber, den Feingehalt in Tausendteilen und die Firma oder eingetragene Schutzmarke des Geschäfts enthalten. Die Krone steht bei Silbergeräten rechts neben der Mondsichel.

MondsichelReichskrone800FeingehaltABCHersteller­marke
Schematische Darstellung eines deutschen Silberstempels nach 1888. ABC steht für eine beliebige Herstellermarke; echte Punzen unterscheiden sich in Größe und Form.

Das Gesetz enthält zwei wichtige Ausnahmen. Für Schmuck gilt die Mindestgrenze nicht: Schmucksachen dürfen in jedem Feingehalt gestempelt werden, das Reichszeichen aus Halbmond und Krone darf auf ihnen aber nicht angebracht werden. Und für versilberte Bestecke und andere Tafelgeräte erlaubt § 9 ausdrücklich Zahlenstempel, die die Menge der Feinsilberauflage angeben.

Versilbert: die Zahlen 90, 100, 150

Viele Erbstücke tragen eine Zahl wie 90, 100, 120 oder 150, oft zusammen mit dem Namen eines Besteckherstellers. Das ist keine Feingehaltsangabe, sondern ein Hinweis auf versilbertes Besteck. Nach der in der Branche üblichen Lesart steht die Zahl für die Gramm Feinsilber, die auf 24 Quadratdezimeter Oberfläche aufgetragen wurden, das entspricht ungefähr zwölf Löffeln und zwölf Gabeln. Eine höhere Zahl bedeutet also eine dickere Silberschicht, nicht mehr Silber im Metall. Weitere Hinweise auf Versilberung finden Sie im englischen Ratgeber sterling vs silver plate.

Silber vor 1888: Stadtmarke und Meisterzeichen

Die überwiegende Zahl deutscher Silberarbeiten vor 1888 ist nur mit Stadt- und Meistermarken bezeichnet. Die Stadtmarke, das Beschauzeichen, zeigt meist das Stadtwappen, einen Buchstaben oder ein Symbol und bestätigte, dass ein Beschaumeister den vorgeschriebenen Mindestfeingehalt geprüft hatte. Das Meisterzeichen besteht meist aus den Initialen des Silberschmieds. Manche Städte verwendeten zusätzlich Jahresbuchstaben. Gemessen wurde der Feingehalt in Lot, wobei 16 Lot reinem Silber entsprachen; einige Stadtmarken nennen den Feingehalt in Lot direkt, etwa in Dresden oder Köln.

Ein weiteres Merkmal alter Stücke ist der Tremolierstich: eine kurze Zickzackspur, meist unter dem Boden, wo für die Feingehaltsprüfung ein Span Silber abgenommen wurde. Diese Prüfmethode war bis etwa in die Biedermeierzeit üblich. Zwischen der Auflösung der Zünfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und 1888 fehlen die üblichen Marken teilweise ganz. Für die Bestimmung alter Stadt- und Meistermarken gibt es veröffentlichte Markenverzeichnisse für viele Städte und Regionen.

Fälschungen und irreführende Stempel

Was den Wert bestimmt

Bei echtem Silber bilden Gewicht und Feingehalt eine Untergrenze. Darüber entscheiden Hersteller oder Silberschmied, Alter, Entwurf, Seltenheit, Vollständigkeit von Besteckgarnituren und Zustand; Monogramme, Dellen, Reparaturen und starkes Polieren mindern den Wert. Versilbertes Besteck hat meist nur Gebrauchswert, Ausnahmen sind gefragte Entwürfe und Hersteller. Für eine erste Einschätzung fotografieren Sie die Stempel und das ganze Stück und scannen es mit Antique ID: Die App liest sichtbare Marken, schlägt Hersteller und Epoche vor und nennt eine geschätzte Wertspanne. Eine Schätzung ist kein Gutachten. Lassen Sie wertvolle Stücke von einem Silberexperten, einem qualifizierten Sachverständigen oder einem Auktionshaus begutachten.

Hinweis zu WertenSchätzungen sind keine Gutachten. Preise hängen von Hersteller, Alter, Zustand, Seltenheit, Herkunft und Marktlage ab; weder ein App-Scan noch ein Ratgeber ersetzt einen Sachverständigen, der das Stück in der Hand hat. Lassen Sie wertvolle Stücke vor Verkauf, Versicherung oder teurem Kauf von einem qualifizierten Gutachter oder einem seriösen Auktionshaus prüfen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 800 auf Silber?

800 bedeutet 800 Tausendteile, also 80 Prozent reines Silber. Nach dem Feingehaltsgesetz von 1884 darf auf silbernen Geräten in Deutschland nur ein Feingehalt von 800 oder mehr Tausendteilen angegeben werden.

Was bedeutet Halbmond und Krone auf Silber?

Das ist das deutsche Reichszeichen für Silbergeräte. Eine Bekanntmachung des Bundesrats von 1886 legte fest, dass das Stempelzeichen die Reichskrone, das Mondsichelzeichen, den Feingehalt in Tausendteilen und die Firma oder Schutzmarke des Herstellers enthalten muss. Das Gesetz trat am 1. Januar 1888 in Kraft.

Was bedeutet 90 auf Besteck?

Eine Zahl wie 90, 100 oder 150 auf Besteck ist kein Feingehalt, sondern bezeichnet die Menge der Silberauflage auf versilbertem Besteck. Das Feingehaltsgesetz erlaubt solche Zahlenstempel ausdrücklich für versilberte Bestecke und Tafelgeräte. Nach üblicher Lesart sind es Gramm Feinsilber je 24 Quadratdezimeter Oberfläche.

Ist 835er Silber echtes Silber?

Ja. 835 bedeutet 83,5 Prozent Silber. Diese Legierung war in Deutschland und anderen Ländern verbreitet. Sterlingsilber hat 925 Tausendteile.

Warum hat mein altes Silber keinen Feingehaltsstempel?

Die meisten deutschen Silberarbeiten vor 1888 tragen nur eine Stadtmarke (Beschauzeichen) und ein Meisterzeichen. Ein fehlender Feingehaltsstempel ist bei älterem Silber daher normal und kein Zeichen für eine Fälschung.

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Quellen

  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884 (gesetze-im-internet.de) (abgerufen 2026-10-13)
  2. Bekanntmachung betreffend die Bestimmung der Form des Stempelzeichens zur Angabe des Feingehalts, 7. Januar 1886 (gesetze-im-internet.de) (abgerufen 2026-10-13)
  3. Wikipedia: Silberstempel (abgerufen 2026-10-13)
  4. Wikipedia: Feingehalt (abgerufen 2026-10-13)
  5. The Silver Society: British hallmarks on silver (Vergleich mit dem britischen System) (abgerufen 2026-10-13)

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